Geserhus

Leonie Haltiner aus Montlingen hat ihren Berufsabschluss als FaGE (Fachangestellte Gesundheit) im Geserhus soeben mit der Traumnote 5,6 gemacht! Christin Diel aus Diepoldsau ist noch mitten drin, in der Ausbildung. Ich konnte mich mit den beiden jungen Frauen unterhalten. Bereitwillig geben beide Auskunft, und da kommt auch der Humor nicht zu kurz.


Leonie woher kommt eine solche Note? Ehrgeiz, Familie oder Geserhus?

Es braucht von allem etwas, sicher macht es bei mir das Gesamtpaket. Ich wollte schon im Kindergarten eine «Spitöleri» werden. Meine Mutter arbeitete dort und sie war mir Vorbild. Schon mit 13 Jahren habe ich geschnuppert. Dies auch im wörtlichen Sinn, denn zu Anfang hatte ich Mühe, gewisse Gerüche zu ertragen. Aber gerade in der Langzeitpflege lernt man die Bewohner und Bewohnerinnen ganzheitlich kennen, und immer mehr tritt der «ganze» Mensch in den Vordergrund. Ich war eine Realschülerin und immer wieder gibt es Kritik an dieser Schulform. Mich hat die Schule gefördert und durch die Ausbildung und die schöne Note jetzt ist mein Selbstbewusstsein gestärkt worden, aber auch alle die immer wieder an mich glaubten!


Christin du stehst mitten drin in der HF (höhere Fachschule Pflege). Warst du zuerst auch FaGe? Nein, ich machte, wie viele, erst einmal das KV. Meine Mama war ebenfalls Krankenschwester und ich dachte, dass das dann nichts für mich sei. Aber nachdem ich im Bereich Verkaufsinnendienst viel Kundenkontakt auch fernöstlich hatte, wollte ich einfach etwas Neues. So schnupperte ich erstmals in einem Pflegeheim. Ich «toure» nun quasi durch verschiedene Institutionen während drei Jahren. Hätte ich FaGe als Grundausbildung, würde sich dies auf 2 Jahre verkürzen. Ich gehe blockweise in die Schule und bin die andere Zeit ganz in der Pflege. Ich kam Mitte März, also mitten in der Coronazeit, ins Geserhus. Es war sehr gewöhnungsbedürftig bei diesem Anfang niemandem zur Begrüssung die Hand zu geben, und die Maske Christin Diel (l.) und Leonie Haltiner im Gespräch über ihre Ausbildung verhüllt einen Teil des Gesichtes. Auch die Bewohnenden sahen mich anfangs nie lachen... die Maske verdeckt auch die Gefühle! Das sind Herausforderungen für uns alle.


Ist es anders in einer ländlichen Umgebung zu arbeiten als z.B. in der Stadt?

Beide sagen, dass hier die Religion und Tradition viel mehr Gewicht habe. In schweren Zeiten kann man Trost im Glauben finden. Das hält sich gerade in Krisen erstaunlich gut. Das kann sein, wenn jemand in seiner Mobilität immer stärker eingeschränkt wird, so ist es oft ein «Annehmen», und wenn man jung ist würde man rebellieren! Christin hat Tattoos und sagt lachend: Es gibt aber Bewohnende, die das genau anschauen, sogar schön oder sicher interessant finden und so Anteil an der Jugend nehmen. Auch einig sind sich beide, dass man sich auch in einem Heim einsam fühlen kann. Einige Bewohner ziehen das Einzeltischchen im Speisesaal dem Zweiertisch vor.


Wohin soll es kurz- und langfristig gehen?

Leonie lacht und sagt, dass sie nun den Weg von Christin gehe.... erst bis zum Jahresende hier arbeiten, dann eine kleine Pause und danach beginnt sie die HF am Kantonsspital St.Gallen, aber mit dem Vorsprung der FaGe! Christin ist bis zu ihrem Abschluss im März 2021 im Geserhus. Sie hat soeben ihre Diplomarbeit abgegeben, freut sich auf den letzten dreimonatigen Schulblock im Herbst. Sie sieht sich aber auch weiterhin lernen - das Bachelorstudium lockt und wer weiss vielleicht ein Master oder auch mal ins Ausland: Afrika, Asien etc. es gibt viele Möglichkeiten entweder in der Katastrophen- oder Entwicklungshilfe. Die Pflege möchte sie sich immer als einen Berufsanteil wünschen. Beide Frauen sind sich einig, dass sie lieber selbständig alt werden möchten, und wenn sie in ein Heim müssten würden sie wohl immer etwas zu meckern haben... Das fordert heraus! Das Geserhus bietet insgesamt fünf Ausbildungsplätze in der Pflege an, einen in der Hauswirtschaft, aber da gibt es keine Nachfrage in den letzten Jahren. Im Gastrobereich kann man als Pflegeheim nichts anbieten, das für die Zukunft in einem Restaurant Sinn machen würde – wer braucht schon öffentlich Hilfe beim Essen? Wenn dann der Neubau steht, wird es aber auch in der Küche neue Möglichkeiten geben.


Text und Fotografie: Irma Graf, Marbach, Verwaltungsrätin Geserhus


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